
Der gebürtige Pole Johannes Zukertort (1842–1888) bestritt 1886 den ersten Weltmeisterschaftskampf der Schachgeschichte gegen den Österreicher Wilhelm Steinitz.
Als Berufsschachspieler hielt er sich häufig in London auf. Zwei Jahre nach dem verlorenen Kampf ereignete sich eine ungewöhnliche Tragödie, als Zukertort im traditionellen Londoner Restaurant und Schachlokal „Simpson's-in-the-Strand“ an einem Turnier teilnahm. Am 20. Juni spielte er gegen den Franzosen Sylvain Meyer, als er nach 25 Minuten zusammenbrach.
Anstatt sofort einen Arzt zu rufen, wurde er in den nahe gelegenen „British Chess Club“ gebracht.
Erst danach wurde er in das Charing-Cross-Krankenhaus eingeliefert, wo ein Schlaganfall diagnostiziert wurde. Er erlangte nie wieder das Bewusstsein und starb am nächsten Tag im Alter von nur 45 Jahren.

Beim dritten Rosenwald-Turnier in New York spielte der erst 13-jährige und kaum bekannte Robert James Fischer am 17. Oktober 1956 in der achten Runde gegen den US-Meister von 1953, Donald Byrne.
Das Turnier gewann Samuel Reshevsky überlegen mit 9 Punkten, Fischer landete mit 4,5 Punkten auf dem 9. Platz von 12 Teilnehmern. Diese Partie hatte also keinerlei Einfluss auf den Turnierendstand.
Spektakulär war jedoch, wie ausgezeichnet Fischer spielte und die Partie deshalb als die „Partie des Jahrhunderts“ genannt wurde.
Sie führte auch dazu, dass man in der Sowjetunion – der führenden Schachnation – auf ihn aufmerksam wurde. Diese Partie machte ihn über Nacht berühmt.

Der Tag des Schachs wird jährlich am 20. Juli gefeiert. Er erinnert an den Gründungstag der FIDE (20. Juli 1924), des internationalen Schachverbandes. Der Name leitet sich vom französischen Kurzwort Fédération Internationale des Échecs ab.
Die Idee, diesen Tag zu feiern, wurde von der UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, vorgeschlagen und wird seit 1966 umgesetzt.
Das Motto der FIDE lautet „Gens una sumus”. Der lateinische Ausdruck bedeutet „Wir sind eine Familie“. Er soll die globale Gemeinschaft der Schachspieler unabhängig von Grenzen und Kulturen vereinen. Politik ist beim Schach unerwünscht!

Das vom Amerikaner Arpad Elo entwickelte Wertungssystem zur Ermittlung der Spielstärke von Schachspielern, ist derart klug konzipiert, dass es auch für andere Sportarten verwendet wird. Sowohl für Einzelpersonen als auch für Mannschaften.
Wie beim Schach gibt es einen K-Faktor, der bestimmt, wie schnell die Bewertung auf neue Spielergebnisse reagiert. Es kann so eingestellt werden, dass neue Daten effizient berücksichtigt werden, aber nicht überreagieren. Beispiele:
Fußball FIFA Weltrangliste (28.4.2025)
- Spanien: 2150
- Argentinien: 2140
- Frankreich: 2031
Basketball NBA-Liste (2024-25 NBA Saison)
- Boston Celtics: 1686
- Dallas Mevericks: 1626
Tennis ATP-Liste (30.12.2024)
- Janik Sinner: 2207
- Carlos Alcaraz: 2097

Im Jahr 1973 gab es eine Razzia bei einem Schachturnier in Cleveland, Bundesstaat Ohio, bei der die Polizei in die Turnierhalle stürmte und das Preisgeld in der Höhe von 50 Dollar beschlagnahmte. Die Schachsets wurden konfisziert und der Turnierleiter vorübergehend inhaftiert.
Diese Razzia erfolgte aufgrund der Tatsache, dass Schach als Glücksspiel angesehen wurde. Die Anklage wurde später fallen gelassen, nachdem die Spieler erfolgreich argumentieren konnten, dass Schach kein Glücksspiel sondern ein Geschicklichkeitsspiel sei.
In den USA gab es lange Zeit Unsicherheit darüber, ob Spiele und bestimmte Sportarten mit Preisgeldern als Glücksspiel gelten. Auch andere Spiele wie Pinball (Flippern) oder Darts mussten sich erst als Geschicklichkeitsspiele „freikämpfen“. Schach war da keine Ausnahme.

José Raúl Capablanca (1888–1942) war ein kubanischer Schachspieler und Diplomat seines Landes. Von 1921 bis 1927 war er der dritte Weltmeister.
Er war bekannt für sein intuitives Spiel und seine scheinbar mühelose Eleganz am Brett. Er trainierte sehr wenig und verließ sich auf sein natürliches Talent. Tatsächlich sagte er einmal sinngemäß: „Ich brauche keine Vorbereitung – ich spiele einfach besser als die anderen.“
Es gibt die Anekdote, dass sich in seinem Nachlass nicht einmal ein Schachbrett befand. Dies symbolisiert, wie wenig Capablanca trainierte und sich auf seine Genialität verließ.
Auch war er kein Theoretiker, sondern ein Künstler des Spiels und wurde mit Mozart verglichen.
In einem Interview in Jugoslawien spricht der ehemalige Weltmeister Bobby Fischer über Capablanca.

Die "Rubinstein-Falle" ist ein taktisches Motiv, das durch verschiedene Zugfolgen in der Eröffnung des abgelehnten Damengambits entstehen kann.
Das Motiv kam erstmals 1905 in einer Partie zwischen dem Engländer Amos Burn und dem Österreicher Heinrich Wolf vor.
Während die meisten Eröffnungsfallen nach den Spielern benannt werden, die sie zuerst erfolgreich angewandt haben, wurde die Rubinstein-Falle nach dem polnischen Weltklassespieler Akiba Rubinstein (1880–1961) benannt, der zweimal Opfer der gleichen Falle wurde.
Die beiden Partien von Rubinstein gegen Max Euwe (1928, Diagramm links) und Rubinstein gegen Alexander Aljechin (1930, Diagramm rechts) als Nachziehender verliefen nicht exakt gleich, aber das Kombinationsmotiv war jedoch identisch.

Der US-Amerikaner Hans Moke Niemann (* 2003) ist für seine mitunter unglaublich perfekte Spielweise bekannt geworden. In einigen Partien folgten alle Züge den Vorschlägen der Computerprogramme.
Der Schachmäzen und Milliardär Rex Sinquefield sponsert seit 2013 die Turniere des „St. Louis Chess Club“ und richtet den nach ihm benannten Cup aus. Dazu werden nur Großmeister der absoluten Weltspitze eingeladen.
2023 durfte auch Hans Niemann mitspielen. Nach zwei Niederlagen hintereinander demolierte er aus Zorn die Einrichtung seines Hotelzimmers. Daraufhin beschloss der Veranstalter, Niemann nicht mehr einzuladen. Niemann vermutet nun eine Verschwörung gegen ihn, schließlich habe er die Strafe bezahlt und sich entschuldigt.

Das erste Schachbuch mit dem Titel „Kitab ash-shatranj“ (Das Buch des Schachs) wurde vom Araber al-Adli ar-Rumi (800–870) im Jahr 842 geschrieben.
Als die Araber im 7. Jahrhundert Persien eroberten, lernten sie das persische Schachspiel, Chatrang, kennen. Die Regeln unterschieden sich teilweise von den heutigen.
Das äußerst umfangreiche Buch beinhaltet Eröffnungen, Endspiele und eine große Anzahl von Schachaufgaben. Im arabischen Raum wurden die Schachspieler in Kategorien unterteilt. Der Autor dieses Buches war Spieler der höchsten Kategorie und lange Zeit der Beste.

Am 10. September 1984 begann in Moskau der WM-Kampf zwischen dem amtierenden Weltmeister Anatoli Karpow und seinem Herausforderer Garri Kasparow. Sieger im Duell der beiden sowjetischen Kontrahenten sollte sein, wer als Erster sechs Partien gewinnt.
Nach neun Runden führte Karpow bereits klar mit 4:0, dann änderte Kasparow seine Spielstrategie. Die folgenden 17 Partien endeten allesamt Remis, dann gewann Karpow erneut und führte damit 5:0. Es folgten fünf weitere Remis, dann begann sich das Blatt langsam zu wenden.
Kasparow gewann die 32. Partie und nach 14 weiteren Unentschieden auch die 47. und die 48.
Daraufhin brach der herbeigeeilte FIDE-Präsident den Wettkampf ab. Florencio Campomanes brach den Wettkampf am 15. Februar 1985 mit der Begründung ab, er wolle die Gesundheit der Spieler schützen.

Im Juni 2021 schrieb der im Jahr 2009 geborene Amerikaner Abhimanyu Mishra Schachgeschichte. Mit nur 12 Jahren, 4 Monaten und 25 Tagen wurde er der jüngste Großmeister aller Zeiten (bisher) und brach damit den seit 19 Jahren bestehenden Rekord des Ukrainers Sergey Karjakin.
Im Mai 2026 lag Mishra im Standardschach auf dem 6. Platz der besten Junioren der Welt und im Schnellschach sogar auf dem 4. Platz.

Abgesehen von den vornherein aufgegebenen Partien und den vereinbarten Kurz-Remis findet man die kürzeste Turnierpartie, in einer Partie, die 1984 bei einem Turnier in der serbischen Stadt Bela Crkva gespielt wurde.
An diesem Turnier nahmen zahlreiche Großmeister, aber auch einige Amateurspieler teil. In der Partie Zoran Đorđević gegen Milorad Kovačević gab der Weiße nach nur drei Zügen auf. (1. d4 Nf6, 2. Bg5 c6, 3. e3??, Qa5+, Schach und ein Läufer ist gleichzeitig bedroht). Die Partie, wie es aussieht eine Amateurpartie, dürfte tatsächlich so abgelaufen sein.
Partien mit Zwei-Zug-Matt (Narrenmatt/Idiotenmatt) sind zwar kürzer, dürften aber einem absichtlichen Verlieren geschuldet sein.

Der Engländer Alan Turing (1912–1954) war einer der bedeutendsten Mathematiker. Mit einem Intelligenzquotienten von 185 zählte er zu den klügsten Menschen der Welt.
Er baute nicht nur den ersten programmierbaren Computer, sondern erschuf 1953 mit der Turing-Engine auch das erste Schachprogramm. Da die erforderliche Hardware zu seiner Lebenszeit noch fehlte, führte er die Berechnungen selbst durch.
Zudem verfasste er Beiträge zur theoretischen Biologie, die sich als richtungsweisend erwiesen. Nach ihm sind der Turing-Award, die bedeutendste Auszeichnung in der Informatik, sowie der Turing-Test zur Überprüfung künstlicher Intelligenz benannt.

Im Mai 2014 erreichte Magnus Carlsen 2882 auf der offiziellen Elo-Liste des Weltschachverbands. Im inoffiziellen Live-Rating stieg Carlsens Wert sogar auf 2889.
Die höchste historische Elo-Zahl (berechnet) hatte der Amerikaner Bobby Fischer im Oktober 1971 nach seiner Siegesserie zur WM-Qualifikation mit 2895.
Bei den Frauen schaffte die Ungarin Judith Polgár im Juli 2005 mit 2735 die höchste Zahl und lag damit unter den Top 10 der Männer

Beim 17. Deutschen Schachkongress in Hamburg im Jahr 1910 wurden zwei Turniere ausgetragen: ein A-Turnier (Meisterturnier) für die weltbesten Spieler und ein B-Turnier für alle übrigen Teilnehmer.
Für das Meisterturnier wurde versehentlich auch der zu diesem Zeitpunkt eher schwache Engländer Frederick Yates eingeladen. Das rief den Unmut des Weltklassespielers und „Oberlehrers“ Siegbert Tarrasch hervor.
In der Zeitung „Berliner Lokalanzeiger“ machte er sich vor dem Turnier über den Vertreter Englands lustig. Tarrasch hatte mit seiner Kritik völlig recht: Yates wurde mit großem Abstand Letzter mit zwölf Niederlagen, drei Remis und nur einem Sieg. Aber ausgerechnet diesen Sieg holte er gegen Tarrasch!

Die Idee eines dreidimensionalen Schachspiels gibt es schon lange. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts konstruierte der deutsch-baltische Berufsschachspieler Lionel Kieseritzky, er war bester Spieler Frankreichs, ein „Raumschach“, stieß damit jedoch auf wenig Interesse.
In der vor ca. 60 Jahren gedrehten Weltraumserie „Raumschiff Enterprise“ spielten der Kapitän des Raumschiffs, „Kirk“, und der logisch denkende „Spock“ dreimal gegeneinander Raumschach. Jedes Mal gewann Spock.
Es gibt verschiedene Varianten des Raumschachs mit den dazugehörigen Regeln, doch das allgemeine Interesse hält sich in Grenzen.

Über das Turnier von Moskau im Jahr 1936 gibt es eine Anekdote, die Jahre später von der Witwe des dritten Weltmeisters, José Raúl Capablanca, erzählt wurde.
Josef Stalin tauchte beim Turnier auf, um Capablanca spielen zu sehen. Während des Turniers traf sich Capablanca mit Stalin und erzählte ihm, dass die sowjetischen Spieler betrügen, indem sie Partien gegen Michail Botwinnik absichtlich verlieren, damit dieser an der Spitze mithalten kann.
Stalin versprach, sich um die Sache zu kümmern. Tatsächlich hörte das absichtliche Verlieren gegen Botwinnik auf. Capablancas Anschuldigung einer geheimen Absprache wurde vom sowjetischen Teilnehmer Viacheslav Ragozin 1946 bestätigt.
Capablanca gewann das Turnier, knapp vor Botwinnik und der Rest des Feldes lag mit großem Abstand weit zurück.

Der Brasilianer Henrique Costa Mecking (* 1952) war im Jahr 1977 der drittbeste Spieler der Welt. In seiner Heimat war er so populär, dass er mit anderen damals berühmten brasilianischen Sportlern wie dem Fußballer Pelé und dem Autorennfahrer Emerson Fittipaldi verglichen wurde.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere traf ihn das Schicksal. Bei ihm wurde die Krankheit Myasthenia gravis diagnostiziert, die das Nervensystem und die Muskeln befällt. Diese Krankheit gilt als unheilbar. Ärzte in den USA sagten ihm, dass sie in diesem Stadium nichts mehr tun könnten, um sein Leben zu retten.
Doch Mecking gab nicht auf. Er konnte seine Krankheit eigenen Aussagen zufolge ausschließlich durch homöopathische Mittel und seinen Glauben heilen.
Auch wenn er nicht mehr das Niveau vor seiner Erkrankung erreicht hat, liegt seine Elo-Zahl bei beachtlichen 2553 (März 2026).

Samuel Reshevsky (1911–1992) war ein aus Polen stammendes Schachwunderkind. Bereits im Alter von sechs Jahren spielte Samuel erfolgreich simultan gegen mehrere Erwachsene. Lange Zeit galt Reshevsky als einer der besten Spieler der Welt.
Die Berliner Psychologin Dr. Franziska Baumgarten führte 1920 einen Intelligenztest mit ihm durch. Die Ergebnisse waren äußerst erstaunlich.
Er erkannte kein einziges Tier, war nicht in der Lage, auch nur eine geometrische Form zu zeichnen, und Farben waren ihm unbekannt.
Ganz anders sah es bei den Gedächtnistests aus. Hier schnitt er überdurchschnittlich gut ab. So wurden ihm beispielsweise 40 geometrische Formen vier Minuten lang gezeigt. Reshevsky konnte sich an alle 40 Formen erinnern und sie auch in der richtigen Reihenfolge wiedergeben.

Diagramm: Lasker-Euwe 1936
Im Jahr 1936 trafen die ehemaligen Weltmeister Emanuel Lasker und Max Euwe, die beide Mathematik studiert hatten, im englischen Nottingham zum letzten Mal am Schachbrett aufeinander. Der 68-jährige Lasker spielte dabei gegen den 33 Jahre jüngeren amtierenden Weltmeister. Euwe erzählte später folgende Geschichte zu dieser Partie:
„Als ich in dieser Stellung 23. ...La5 zog, blickte Lasker lange Zeit auf die Stellung, setzte dann ein Fragezeichen hinter meinen Zug, betrachtete erneut das Brett, vermerkte ein zweites Fragezeichen und führte anschließend den Gewinnzug aus.”
An diesem Turnier nahmen fünf Weltmeister teil. Es gibt auch einen 16-minütigen Amateurfilm in dem alle Teilnehmern zu sehen sind.

Die Ungarin Judith Polgár (* 1976) gilt als die beste Schachspielerin aller Zeiten. Mit einer Elo-Zahl von 2735 schaffte sie es im Juli 2005 als einzige Frau in die Top 10 der Männer.
Bereits im Alter von 15 verlieh ihr der Weltschachverband den Titel eines Großmeisters, womit sie den damaligen Rekord von Bobby Fischer um einen Monat übertraf.
Schon als Jugendliche fasste sie den Entschluss nur an Männerturnieren teilzunehmen.
Im Jahr 2014 beendete sie ihre erfolgreiche Karriere als aktive Schachspielerin.
Im aktuellen Rating vom März 2026 hat keine Spielerin eine Elo-Zahl von über 2600.

Der französische Großmeister Vladislav Tkachev (*1973) nahm im September 2009 in Indien am 4. Kolkata Open teil.
In der dritten Runde am 5. September stand er so stark unter Alkoholeinfluss, dass er kaum auf seinem Stuhl sitzen konnte. Nach elf Zügen schlief er ein und legte seinen Kopf auf den Tisch. Versuche, ihn aufzuwecken, blieben erfolglos.
Sein Verhalten wurde als respektlos gegenüber den Sponsoren, dem Veranstalter, den Spielern und vor allem dem Publikum angesehen, da sich unter den Zuschauern eine große Anzahl von Kindern befand.
Tkachev wurde im Anschluss von den Organisatoren gerügt, durfte aber am Rest des Turniers teilnehmen.

Caissa ist eine neuzeitliche Göttin, nämlich die Göttin des Schachs, und stammt nicht aus einer Mythologie. Als die griechische und römische Mytghologie entstand, war Schach in Europa unbekannt.
Der Name geht auf ein 1763 veröffentlichtes Gedicht des Briten William Jones zurück. Darin verliebt sich der Gott Mars (Mars war in der römischen Mythologie der mächtige Gott des Krieges) in Caissa, die seine Liebe jedoch nicht erwidert. Um ihr Herz zu gewinnen, lässt Mars das Schachspiel erfinden.

Im Jahr 1962 plante der Weltklassespieler und zweifache WM-Herausforderer Viktor Kortschnoi (1931-2016) in Kuba eine Simultanveranstaltung zu geben. Einer seiner Gegner sollte Ernesto Che Guevara, der Führer der kubanischen Revolution, sein.
Vor der Veranstaltung erzählte er seinem Freund und Schachkollegen Michael Tal, Che Guevara spielt zwar gerne, sei aber ein eher schwacher Spieler. Und, dass Che froh wäre, wenn er gegen ihn Remis halten könnte. Nun blickte Kortschnoi auf einmal ziemlich ernst.
Nach der Veranstaltung kehrte Kortschnoi in sein Hotel zurück. Sofort fragte ihn Tal nach dem Ergebnis. „Ich habe alle geschlagen“, antwortete er. „Auch Che Guevara?", „Er hatte keine Ahnung, was er gegen den Katalanen (Anmerkung: Eröffnung von Weiß) tun sollte“ war die Antwort.
Kortschnoi war, wenn es um Schach ging, war er ein ausgesprochen ernster Mensch.

1995 spielten vier Großmeister in der kleinen mazedonischen Stadt Strumica ein 18-rundiges Turnier. Der Modus war Jeder gegen Jeden mit sechs Durchgängen.
Die Leistung eines Spielers bei diesem ungewöhnlichen Turniermodus war fast unglaublich, denn er erzielte sagenhafte 16 Punkte. Sein großer Sprung in Richtung Weltspitze!
Die beiden starken Großmeister Bojan Kurajica aus Bosnien und Nukhim Rashkovsky aus Russland verloren alle ihre sechs Partien gegen den Shooting Star des Turniers.
Sein Name ist Zurab Azmaiparashvili (* 1960) aus Georgien. Damals war er bereits Vizepräsident des Weltschachverbands und heute ist er auch Chef der Europäischen Schachunion (ECU). An der Korrektheit der gemeldeten Ergebnisse glaubt kein Mensch außer vielleicht eine Großmutter von Azmaiparashvili.

Der Deutsche Paul Lipke (1870 – 1955) studierte in Halle Jura und arbeitete danach als Rechtsanwalt.
Einige Jahre nahm er auch an mehreren deutschen Turnieren teil und erzielte dabei beachtliche Erfolge. Bei großen Turnieren, wie 1892 in Dresden war er Sieger, 1894 in Leibzig Zweiter hinter Siegbert Tarrasch etc.
Er war hinter den bekannteren Spielern wie Lasker, Steinitz, Tarrasch und Tschigorin die Nummer 5 der Welt war. Aber trotzdem kennt ihn fast niemand.
Trotz seiner Erfolge zog sich Lipke frühzeitig im Jahr 1898 vom aktiven Schachspiel zurück um als Rechtsanwalt zu arbeiten. Dem Schach blieb er als Redakteur der Deutschen Schachzeitung, als Herausgeber der Deutschen Schachblätter und als Mitbegründer eines Schachvereins verbunden.

Der 1981 geborene Inder Umakanth Sharma hatte jahrelang eine Elo-Wertungszahl um 1950, doch im Jahr 2006 änderte sich das plötzlich. Nach einer Reihe sensationeller Turniererfolge stieg seine Wertungszahl von 1933 im Januar 2006 auf unglaubliche 2484 im Oktober 2006, ein Sprung von 551 Punkten in weniger als einem Jahr.
Der Grund für dieses Wunder wurde wenig später beim internationalen Subroto-Gedächtnisturnier in Delhi gefunden. Bei einer Routinekontrolle wurde ein in seiner Mütze eingenähtes Bluetooth-Gerät zum Empfang von übermittelten Computerzügen entdeckt.
Nach einer Untersuchung verhängte der indische Schachverband am 26. Dezember 2006 ein zehnjähriges Spielverbot über ihn.

Der erste englische Buchdrucker war William Caxton (1422-1491), zugleich Verleger und Übersetzer.
Sein erstes Buch in Englisch war eine Sammlung von Geschichten über den Trojanischen Krieg aus der griechische Mythologie.
Aber bereits sein zweites Buch mit dem Titel „The Game of Chess“ handelte vom Schach. Dieser Umstand zeigt das frühe Interesse und die Beliebtheit des Schachspiels schon im 15. Jahrhundert in Europa.

Der Australier Cecil Purdy (1906-1979) wurde 1953 erster offizieller Fernschachweltmeister. Im Standardschach gewann er viermal die australische und einmal die neuseeländische Meisterschaft.
Am 6. November 1979 brach Purdy bei der Meisterschaft von Sydney während seiner Partie gegen Ian Parsonage zusammen. Seine letzten Worte waren:
"Ich habe eine Gewinnstellung, aber es wird noch eine Weile dauern.“
Purdy verstarb wenig später in einem Krankenhaus in Sydney. Mit seinen letzten Worten hatte er in jeder Hinsicht recht.
(Bild: Schlussstellung: Weiß (Purdy) am Zug gewinnt)

Um der Kreativität und dem Talent der Spieler mehr Bedeutung zu geben, entwickelte der ehemalige Weltmeister Bobby Fischer eine neue Schachvariante. Diese sollte durch zufällige Eröffnungsstellungen erreicht werden, wodurch das Auswendiglernen von Eröffnungszügen weniger hilfreich ist. Die Spieler müssen somit vom ersten Zug an selbstständig denken. Insgesamt sind bei diesem Schach 960 verschiedene Anfangspositionen möglich.
Das erste „Fischer-Schach“-Turnier wurde 1996 in Jugoslawien ausgetragen und vom Ungarn Péter Lékó gewonnen.
Magnus Carlsen organisierte im Jahr 2024 in Deutschland ein Schach960-Superturnier mit den besten Spielern der Welt.

Die Schachgesellschaft Zürich ist wahrscheinlich der mit Abstand älteste Schachklub der Welt. Er wurde 1809 gegründet und besteht seitdem ununterbrochen.
Die ersten hundert Jahre des Vereinsbestehens sind in einer vom langjährigen Schriftführer des Vereins, Oberrichter Eugen Meyer verfassten Festschrift dokumentiert und anlässlich des 200-jährigen Bestehens erschien dazu 2009 eine Publikation vom Internationalen Meister Richard Forster.
Die Schachgesellschaft Zürich war 25 Mal Landesmeister und hat maßgeblich zum Aufbau einer Schachorganisation in der Schweiz beigetragen.
Viktor Kortschnoi war einer der bekanntesten Spieler dieses Vereins.

(Bild: Stellung vor und nach dem Zug)
Im Jahr 1912 spielte der US-Meister Frank James Marshall (Meister von 1909 bis 1936) in Breslau (heute Wrocław) gegen den Russen Stefan Levitzky.
Im 23. Zug machte Marshall einen äußerst spektakulären Zug. Die Dame konnte danach auf drei verschiedene Arten geschlagen werden, aber egal wie, gewann Schwarz. An dieser Stelle gab Levitzky auf.
Marshall war so stolz auf diesen Zug, dass er folgende Geschichte dazu erzählte:
„Die Zuschauer waren von meinem letzten Zug so begeistert, dass sie Goldmünzen aufs Brett warfen.“ Daher trägt die Partie auch die Bezeichnung „Gold Coin Game“.

Bis Mitte der 1990er Jahre sahen die Schachregeln vor, dass Partien nach einer bestimmten Spieldauer unterbrochen wurden. Die Analyse dieser unterbrochenen Partien, auch Hängepartien genannt, spielte eine wichtige Rolle.
Im Jahr 1971 spielte Tigran Petrosian (Sowjetunion) in Buenos Aires gegen Bobby Fischer (USA) ein Kandidatenmatch um die Weltmeisterschaft.
Die sechste Partie wurde unterbrochen und nach der Wiederaufnahme unterliefen Petrosian eine Ungenauigkeit und ein Fehler, wodurch er die Partie verlor.
Auf sowjetischer Seite kam es danach zu heftigen Streitereien wegen der schlechten Analyse. In dieser hitzigen Debatte verpasste Petrosians Frau, Rona Yakovlevna, seinem Sekundanten Alexei Suetin eine Ohrfeige.
Petrosian, der sonst äußerst selten verlor, war sichtlich aus dem Gleichgewicht gebracht und verlor sogar die nächsten drei Partien und damit den Wettkampf.

Der türkische Bildhauer Necati Korkmaz eröffnete im Jahr 2018 in der osttürkischen Stadt Kuşadası ein Mikro-Miniatur-Museum. Die ausgestellten Stücke sind so klein, dass sie nur durch das Objektiv eines Mikroskops oder mit einer Lupe zu sehen sind.
Ein Ausstellungsstück ist das vermutlich kleinste Schachbrett, das lediglich 9 Millimeter lang und breit ist. Die Formen von Läufer, König usw. sind aber dennoch gut erkennbar. Zumindest unter dem Mikroskop oder mit der Lupe, denn mit dem bloßen Auge ist dies nur mit Schwierigkeiten möglich.
Ein Video zeigt, wie die Figuren vorsichtig bewegt werden können.

Der Amerikaner Eugene Varshavsky gehörte zu den Teilnehmern mit den niedrigsten Elo-Zahlen. Trotzdem war sein Auftritt äußerst erfolgreich.
Höhepunkt war sein Sieg in der drittvorletzten Runde gegen Großmeister Ilia Smirin (Elo: 2659) in einer vollkommen fehlerfreien Partie. Die letzten 25 Züge Varshavskys waren zufälligerweise mit den vom Schachprogramm „Shredder” vorgeschlagenen Zügen identisch.
Der Turnierleiter forderte ihn deshalb auf, sich vor der nächsten Runde zu melden. Daraufhin verschwand Varshavsky für zehn Minuten in einer Toilette und stimmte anschließend einer Durchsuchung zu. Da nun keine elektronischen Geräte bei ihm gefunden wurden, durfte er das Turnier fortsetzen.
In den letzten beiden Runden spielte er unter Beobachtung gegen zwei Großmeister und verlor beide Partien chancenlos.
Drei Jahre später konnte Eugene Varshavsky tatsächlich des Betrugs überführt werden: bei einem Sudoku-Wettbewerb in Philadelphia. (Bild)

Ein amerikanischer Schachanfänger mit dem Namen Steven Rosenberg hatte enorme Fortschritte gemacht, so große Fortschritte, dass er bei seinen letzten drei Turnieren alle Partien gewinnen konnte.
Beim Turnier in Philadelphia benutzte er wieder sein „Hörgerät“, ein drahtloses Übertragungsgerät namens Phonito, wie der Turnierleiter anhand der Seriennummer feststellen konnte. Der ebenfalls benötigte Signalverstärker war unter seinem Pullover versteckt.
Rosenbergs Analyseprogramm war „Fritz 9“, von dem er immer den Nummer-1-Zug spielte, außer im ersten Zug, wo das Programm 1. e4 vorschlug, während Rosenberg stets 1. d4 zog.
Durch die zunehmende Miniaturisierung sind die Geräte mittlerweile so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Webseite Phonito

Bei den Philadelphia Open 1993 nahm ein unbekannter Schwarzer mit Dreadlocks teil. Er trat unter dem Namen „John von Neumann“ an, nicht zufällig der Name eines der größten Universalgenies.
Der unbekannte Schwarze, der ständig Kopfhörer trug, erzielte in den neun Partien 4,5 Punkte, darunter ein Remis gegen einen Großmeister und einen Sieg gegen einen FIDE-Meister. Der Turnierleiter wurde unter anderem misstrauisch, weil …
- er in der vierten Partie nach neun Zügen in einfacher Stellung nicht mehr weiterspielte.
- er bei jeden Zug immer die gleiche Bedenkzeit brauchte.
Deshalb gab der Turnierleiter dem Unbekannten einige einfache Schachaufgaben zum Lösen. Doch selbst ein Grundlinien-Matt erkannte er nicht. Vermutlich konnte er überhaupt nicht Schach spielen. Er verschwand, ohne den Preis für den besten Spieler ohne Rating erhalten zu haben.

Laut Definition ist „Apartheid“ eine politische Praxis der Segregation oder des Ausschlusses bestimmter Bevölkerungsgruppen auf der Grundlage eines bestimmten Merkmals.
Südafrika und Rhodesien 1974
Der Weltschachverband FIDE hat Südafrika und Rhodesien (heute Simbabwe) die Teilnahme an Schacholympiaden wegen ihrer Apartheidpolitik ausgeschlossen.
Große Teile der Bevölkerung wurden systematisch ausgeschlossen. Das Verbot blieb bis 1992 in Kraft.
Österreich 2021
Große Teile der Bevölkerung wurden systematisch vom öffentlichen Leben ausgeschlossen.
Mehr als zwei Millionen Österreicher wurden ausgegrenzt, weil sie sich eine experimentelle, unzureichend getestete Substanz nicht spritzen lassen wollten. Von deren Wirksamkeit und Sicherheit waren nicht einmal die Hersteller überzeugt, was später durch das Bekanntwerden der lange geheim gehaltenen Kaufverträge ans Licht kam.
Trotz dieser Apartheidpolitik hat die FIDE die österreichische Nationalmannschaft nicht von der Teilnahme an Schacholympiaden ausgeschlossen.

Das russische Buch mit dem Namen „Stoglav“ ist eine 100 Kapitel umfassende Sammlung von Beschlüssen des Kirchenkonzils von 1551. Diese regelten das Leben im Zarenreich Russland, insbesondere das Alltagsleben der Geistlichen in der russisch-orthodoxen Kirche.
Kapitel 43 beschäftigt sich mit „weltlichen Spielen”.
Darin heißt es sinngemäß, dass sich Priester und Mönche nicht mit weltlichen Spielen wie Schach oder Würfeln beschäftigen sollen, da dies als unangemessen und mit dem geistlichen Stand unvereinbar gilt.
In Russland herrschte damals Zar Iwan IV. Wassiljewitsch, bekannt als Iwan der Schreckliche. Er galt zwar als belesen in der Heiligen Schrift, kümmerte sich aber nicht um Kapitel 43, weil er mit Begeisterung Schach spielte.

Am 27. April 2025 fand in Wien eine Landtagswahl statt. Auf den Wahlplakaten der SPÖ ist Bürgermeister Ludwig Michael als Zuschauer eines Schachspiels zu sehen.
Bei der Stellung am Brett fällt auf: Ein weit vorgerückter weißer Bauer auf d7 gibt dem schwarzen König Schach! Allerdings macht die Frau, sie hat Weiß, gerade einen Zug mit dem Springer. Müsste nicht Schwarz auf das Schach reagieren und am Zug sein?
Ein aufmerksamer Beobachter erkannte außerdem, dass auch der weiße König durch einen Läufer ebenfalls im Schach steht.
Für viele Menschen ist es ein Zeichen von Scharfsinn oder Klugheit, Schach spielen zu können. Manche versuchen, Klugheit vorzugaukeln, indem sie dieses Können vortäuschen.

König Ludwig XVI. war der letzte König von Frankreich vor der Französischen Revolution. Er regierte von 1774 bis zu seiner Absetzung und Hinrichtung im Jahr 1793.
Er spielte gerne Schach und umgab sich dabei stets mit schönen Frauen. So hatte er im Falle einer Niederlage die Ausrede parat: „Ich wurde von schönen Frauen abgelenkt.“
Karikatur: Ludwig XVI. spielt mit einem Soldaten der Nationalgarde Schach. Natürlich dürfen die „Ablenkungen“ nicht fehlen.

Der französische König Ludwig XVI. (1754–1793) bat einst seinen Untertanen François-André Danican Philidor (1726–1795), ihm das Schachspielen beizubringen. Philidor galt damals als der beste Spieler der Welt. Er hat die „Philidor-Verteidigung“ erfunden, die er selbst jedoch kurioserweise nie gespielt hat.
Nach sechs Monaten wollte der König wissen, wie der große Meister sein Spiel einschätzte.
„Eure Majestät“, antwortete Philidor, „ich teile alle Schachspieler in drei Gruppen ein: Die erste umfasst diejenigen, die kein Schach spielen können, die zweite – diejenigen, die schlecht spielen, und die dritte – diejenigen, die gut spielen. Sie, Eure Majestät, machen Fortschritte – Sie gehören bereits zur zweiten Gruppe.“

Dr. Robert Hübner (1948–2025) war der erfolgreichste deutsche Schachspieler nach Weltmeister Emanuel Lasker und zeitweise sogar die Nummer drei der Welt.
Hübner lehnte die im Schach fragwürdigen Dopingkontrollen offen ab. Als diese nach der Schacholympiade 2000 im internationalen Schach eingeführt wurden, zog er auch seine Konsequenzen und erklärte seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft.
Er bezeichnete die Kontrollen als „Maßnahme bürokratischer Machtentfaltung“, die eine „Entwürdigung, Entmündigung und Entrechtung des Individuums“ darstelle. Im Gegensatz zu anderen Sportarten könne Doping die Fähigkeiten eines Schachspielers nicht verbessern.

Der österreichische Politiker Rudolf Anschober (Die Grünen - Die Grüne Alternative) versuchte nach seinem Ausscheiden aus dem Amt eines Ministers den gleichen Trick wie ca. 15 Jahre zuvor seine zu einem Glücksspielkonzern gewechselte Parteikollegin Eva Glawischnig: Er wollte sich mithilfe des Schachspiels als kluger Mensch bzw. scharfer Denker darstellen.
Abgesehen davon, dass das Feld a1 weiß statt schwarz ist (das Brett ist um 90° verdreht), müssen der abgebildeten Stellung am Brett, vor dem Rudolf Anschober so konzentriert wirkend dasitzt, sehr merkwürdige, eher unglaubwürdige Züge vorausgegangen sein.
(Bildquelle linke Seite: schachimedes.at)
